Vier Hammer-Arien trotz Gifttrunk
Katharina Herb mit "400 Jahren Sex in der Oper" im Gostner Hoftheater

Abendzeitung Nürnberg, 18.12.2009 von Ute Missel

Das ist die echte Alternative zu den preistreiberischen Androhungen der Wagnerschwestern aus Bayreuth: der ganze "Ring" für 15 Euro samt dem besten aus dem restlichen Opernrepertoire. Live! Katharina Herb, in High-Heels und lila Glitzerrobe, macht´s möglich: Nix wie hin zum zweieinhalbstündigen Bühnenspaß im Gostner Hoftheater! Endlich versteht der Arienfreund, worum es wirklich geht in irrisinnigen Libretti und Regieeinfällen: um "400 Jahre Sex in der Oper".

Wer sich nun reizvolle Erotik, frivole Anzüglichkeiten oder schlüpfrige Schenkelklopfer erhofft, wird enttäuscht. Denn Herb, professionell und profunde gebildete Mezzosopranistin mit erstaunlichen Dimensionen in allen Lagen, präsentiert sich in ihrem vierten Solo stimmvirtuos und gaumenakrobatisch mit den anspruchsvollsten Parien der großen Opernliteratur. Blitzsauber Ihre Königin der Nacht, eindrucksvoll ihre "Carmen"-Version, imponierend ihre blutrote Lagerfeuer-Azucena aus dem "Troubadour" und schlicht grandious ihr "Ring". Endlich verstehen wir, dass sich das Wagnersche Vier-Tage-Rennen in 30 Minuten zusammenfassen lässt, ohne dass wir Wesentliches verpassen. Herb macht das gesamte Personal binnen Sekunden bühnentauglich. Wagalaweija, Hojotoho !

Das die quirlige Satirikerin in neckischer Hilflosigkeit sich immer wieder an ihren Miederschnürer Marc Lopold wendet -" Hab ich was vergessen, muss ich den roten Knopf drücken?" - nehmen wir mit liebevoller Nachsicht. Schließlich lernen wir, dass Leonora vier Hammer-Arien trotz Gifttrunk mit Sofortwirkung singen kann, auch wenn es für den herbeigesehnten Sex doch nicht mehr reicht. So ist das Opernleben.