Sängerin und Kabarettistin Katharina Herb begeisterte
Westfälische Nachrichten, Sunhild Salascheck vom 30.1.06
Stehende Ovationen für eine Kabarettistin? Und ob! Oder galt der frenetische
Beifall in erster Liinie der Gesangsleistung der Diva?
Mit ca 60 Besuchern feierte die klassisch ausgebildete Sängerin und Kabarettistin
Katharina Herb aus München am Freitag in der Alten Sparkasse „Orgien
– in Arien“. Die Gäste spürten von Anfang an: „Liebe
liegt in dieser Nadcht, sie lächelt süß und leise“.
Dicht am Geschehen der Oper „Hoffmanns Erzählungen“ von Jacques
Offenbach meinte Herb, eine Edelhure könne schon die Lösung der
Hälfte aller Probleme sein. Sie präsentierte aber nicht –
wie es jene Oper tut – einen weiblichen Automaten zum Verlieben. Diese
Rolle übernahm sie lieber selber: quicklebendig und äußerst
spritzig. Sie wollte auch kein Computer-Programm anbieten, bei dem man sich
den Partner zum Selberbasteln herunterlädt.
Dennoch ließ sich Herb von einer Maschine begleiten, dem wohl tönenden
„Digital Pocket Orchestra“. Mit diesem verlässlichen Partner
sang sie Arien aller Stilrichtungen, mal in Originalfassung, mal mit verfremdeten
Texten. Sie begeisterte ihr Publikum mit bravourösem Gesang und verführerischer
Theatralik, ganz gleich, ob als Prinzessin Turandot (Giacomo Puccini) oder
als Jodelkünstlerin („I und mei Bua“).
„Jetzt bin ich eine ganze Oktave“, meinte sie und verkörperte
zu Musik von Richard Wagner gleich acht Walküren. Bei so viel Temperament
war auch eine Hosenrolle kein Problem. Mit rasch übergestreiften Tennissocken
war sie eindeutig als Mannsbild zu erkennen (Arie des Leporello aus Mozarts
„Don Giovanni“).
Das Outfit spielte natürlich auch sonst eine grosse Rolle bei der Diva.
Maria Callas, mit der sie nicht nur stimmlich wetteiferte („Norma“
von Vincenzo Bellini), trug stets feinstes Tuch, gern in Rot. Auch Herb bevorzugte
die rote Farbe. Über einem dunkelroten, eng geschnürten Mieder umaben
blutrote Bahnen gelackter Folie ihren geschmeidigen Körper. Nun brauchte
sie nur noch einen Helfer, der ihre wohl geformten Beine entsprechend zu Geltung
brachte. Siegfried Grau aus dem Publikum übernahm die Aufgabe nur allzu
gern. Er vollführte das Rockschlagen so gekonnt, dass die schwarzen Netzstrümpfe
weithin sichtbar wurden. Später befriedigte Siegfried auch die masochistischen
Bedürfnisse der Diva mit Bravour. Er schwang die kleine Peitsche, dass
es nur so knisterte. Die charmante Diva schien es zu genießen und legte
nochmals zu an Tempo und Koketterie.
„Das Auge wird gesättigt, das Ohr bezaubert aber die Vernunft gekränkt“,
so hat ein zeitgenössischer Mozartkritiker über die Oper „Don
Giovanni“ geschrieben. Das entspricht genau dem Abend mit Katharina
Herb. Lustvoll und äußerst unterhaltsam.
Sunhild Salaschek